Ich habe Angst – Mein Leben mit Dentalphobie – Teil 2

Hallo Freunde!
Dies ist der zweite Blogpost in meiner Dentalphobie-Reihe. Dentalphobie, das ist die krankhafte Angst vor dem Zahnarzt. In Zukunft werde ich alle weiteren Posts zu diesem Thema in der Kategorie „Dentalphobie“ einordnen. Also wenn euch das Thema langfristig interessieren sollte, schaut doch dort einmal nach.

Dentalphobie Leben mit Angst

Den ersten Teil zu diesem Blogpost findet ihr auch auf dem Blog. In ihm geht es um meine Vergangenheit mit der Angst, woher sie kam und was bisher passiert ist. In diesem Blogpost wiederum erzähle ich euch, was nach meiner Behandlung in Vollnarkose und der Wurzelbehandlung passiert ist. Alles bis hin zur Gegenwart. Also los geht’s:

Was ist seit 2011 passiert?

Nun war ich seit jenem Jahr, 2011, nicht mehr beim Zahnarzt. Geputzt hatte ich meine Zähne immer sehr sorgfältig, allerdings half das nicht viel. Irgendwann begannen sich Ablagerungen um die Füllungen auf meinen Schneidezähnen zu bilden. Ich vermute, dass das an meinem starken Konsum von Eistee lag. Es gibt ja Speisen und Getränke, die die Zähne verfärben. Doch statt spätestens dann wieder zum Zahnarzt zu gehen, drückte ich mich schon wieder, sah ich mich doch wieder dem Bohrer gegenüber.

Stattdessen war ich frustriert, dass das viele Putzen und Schrubben der Zähne eh nichts brachte und schluderte wieder ab und an. Ich vernachlässigte die Mundspülungen. Wenn ich ab und an abends das Zähneputzen vergaß, war das auch halb so wild. (Ja, ich muss mich wirklich aktiv daran erinnern mir Abends die Zähne zu putzen, was für die Meisten kurios erscheinen mag. Für mich aber leider sein muss.) Das alles führte dazu, dass ich nun, jetzt in der Gegenwart in 2017, wieder am Anfang bin. Angst vor dem Zahnarzt, Ablagerungen und Karies an den Zähnen, um die sich lang nicht mehr gekümmert wurde und streckenweise wahnsinnige Schmerzen. Mittlerweile wird die Dentalhygiene zwar wieder makellos betrieben, da ich irgendwann eingesehen habe, dass sich diese „jetzt nützt es eh nichts mehr“ – Mentalität immer rächt. Aber Karies kann man nicht wegputzen. Leider.

Leben mit Angst

Heute sitze ich nun manchmal Abends im Bett, mit so starken Schmerzen, dass ich nur mit einer hohen Dosis Ibu Schlaf finden kann, was meinem Magen absolut nicht gut tut. Hatte ich doch schon im August 2016, nach meinem hohen Konsum von Ibuprofen, wegen meines Bandscheibenvorfalls, eine leichte Magenschleimhautentzündung. Kauen kann ich nicht auf der kompletten Fläche meiner Zähne, sondern muss es immer abwechseln. Ich muss kauen, wo es gerade nicht weh tut. Und ständig, wirklich andauernd, habe ich Angst, dass jemand im Gespräch oder auf Insta-Stories entdeckt, wie mit Makeln belastet meine Zähne sind. Ich verzichte darauf zu grinsen. Wenn ich ausgelassen lache, verdecke ich den Mund mit der Hand. Bearbeite jedes Foto, auf dem meine Zähne zu sehen sind, so, dass man die Fehler nicht sieht, bevor ich es weitergebe.

Mich für meine Zähne zu schämen ist etwas, was ich seit 2011 nicht mehr getan habe. Aber so lang ich mich mit Schmerzmitteln vor dem Zahnarzt drücken kann, tu ich das. So lang bis etwas passiert, was ich nicht mehr ignorieren kann. Genau das ist mir nun Ende Oktober passiert: Ich brach mir ein Stück meines Backenzahnes ab was den Rest locker zurück ließ. Er wackelte wie ein Milchzahn. Ich hatte unfassbare Angst, fing ich doch jedes Mal an zu weinen, wenn ich nur mit dem Gedanken spielte beim Zahnarzt auch nur anzurufen.

Was? Ihr etwa auch?!

Ich hatte eigentlich gar nicht vor, euch von meinem Problem zu erzählen. Wie gesagt, ich schäme mich fürchterlich für meine Zähne. Doch wie es der Zufall will, hatte ich an dem Tag, an dem mein Zahn abbrach gerade fürchterliche drei Tage hinter mir. Drei Tage in denen mir Pleiten Pech und Pannen passierten. Unter anderem fuhr ich den Seitenspiegel des Autos meiner Eltern ab, was mich im Endeffekt etwas mehr als 200€ kostete. Ich war so frustriert dass ich euch spontan in meiner Instagram Story von all meinen Pannen, inklusive des abgebrochenen Zahns, erzählte. Womit ich dabei nicht rechnete, war die Besorgnis und Fürsorge, die mir entgegen gebracht wurde. Schließlich fragte ich euch in einer Umfrage, wer alles von euch mit Angst zum Zahnarzt gehen würde. Zu meiner Überraschung waren es um die 40% von euch, was mich dazu veranlasst hat, euch die Wahrheit zu sagen: Ich bin ein Angsthase.

Stück für Stück der Phobie zur Leibe rücken

Von euch ermutigt, habe ich endlich einen Termin bei meinem vertrauten Zahnarzt gemacht, von dem ich euch im ersten Teil schon erzählt habe. Leider hatte der aber, aufgrund seines Urlaubes, selbst für so einen relativ dringenden Fall, erst Mitte November wieder einen Termin frei. Als ich euch das erzählte, habt ihr mir direkt geraten, doch lieber einen anderen Zahnarzt aufzusuchen. Gleichzeitig berichtete meine Schwester mir von dem Zahnarzt ganz in der Nähe meines Wohnortes, der Angstpatienten mittels Hypnose behandeln würde. Also fasste ich mir ein Herz und rief dort an. Im Nachhinein tat mir die Zahnarzthelferin leid, da ich am Telefon wirklich stark schluchzend mit ihr redete, aber sie war sehr freundlich und gab mir einen sehr kurzfristigen Termin am nächsten Tag. Für mich bedeutete das eines: PANIK!

So große Panik, dass meine Schwester mir ein paar Beruhigungstabletten gab, mit denen ich das ganze überstehen sollte. Das funktionierte auch tatsächlich. Ich ging am nächsten Tag, zusammen mit meiner Mama, die ich zu solchen Terminen immer an meiner Seite weiß, zum Zahnarzt. Zum Glück war dieser Zahnarzt sehr sehr einfühlsam, vor allem da ich vorher schon auf dem Patientenfragebogen ganz groß „ANGSTPATIENT“ geschrieben hatte.

Er kam in das Behandlungszimmer, begrüßte mich und merkte direkt an, dass er genau die Notiz, dass ich ein Angstpatient sei, zur Kenntnis genommen hat. Diese war auf meiner Akte sogar mit pinkem Textmarker markiert. Das war das Erste, was mich etwas erleichterte. – Wobei „erleichtern“ in diesem Fall etwas übertrieben ist, erwähnte ich doch im ersten Teil, dass ich einen konstant hohen Puls beim Zahnarzt hatte. Konkret hatte ich beim Zahnarzt eine Frequenz-Spitze von 160 Schlägen pro Minute und davon ab immer eine Schlagzahl von 115-150 Schlägen pro Minute. Alles, weil ich beim Zahnarzt war.

Was gemacht wurde

Vor Ort setzte man mir eine Spritze und röntgte den betroffenen Zahn. Anschließend wurde nochmal eine Spritze gesetzt, weil die Erste nicht ausreichte. Und schließlich, unter vielen Tränen, wurde dann die lockere Ecke des Zahns gezogen. Mein Zahnarzt meinte aber, dass man den Rest des Zahns besser nicht komplett ziehen sollte. Er meinte, dass das die Basis für meinen kommenden Zahnersatz sein sollte. Festgestellt wurde auch, dass, obwohl dieser Zahn eine Wurzelbehandlung bekommen hatte, ein Teil der Wurzel des Zahns entzündet im Zahnfleisch verblieben ist. Dieser muss entfernt werden. Der Zahnarzt meinte, dass ich das locker auch bei ihm machen könnte, da ich ja dieses Zahnziehen auch gemeistert habe, aber ich habe ihm direkt klar gemacht, dass ich das nur in Vollnarkose kann. Er hat das direkt abgenickt, und mir die Karte eines Kieferchirurgen gegeben, da er sah, dass ich ein aufrichtiger Angstpatient war.

Genau das ist der Stand der Dinge. Ich habe aktuell einen Beratungstermin bei einem Kieferchirurgen, damit dieser sich seinerseits ein Bild von meiner Zahnwurzel machen kann. Einen weiteren Termin beim normalen Zahnarzt, um eine komplette Bestandsaufnahme zu machen. Es soll aufgezeichnet werden, was komplett gemacht werden muss. Es soll eine Art „Schlachtplan“ erstellt werden. Außerdem habe ich mittlerweile bei diversen Psychologen angerufen um langfristig an meiner Angst zu arbeiten. Aber dort einen Therapieplatz zu bekommen ist furchtbar. Das ist aber eine Geschichte für einen anderen Blogpost. Und ich habe mit meiner Hausärztin über die Beruhigungstabletten gesprochen. Nachdem ich ihr die Situation erklärt habe, hat sie mir genau die Tabletten verschrieben, die mir meine Schwester gegeben hat. Ich bin also für die kommenden Besuche gerüstet. Anders würde ich die nämlich nicht überstehen.

Jetzt sitze ich hier und überlege ein weiteres Mal, ob ich diesen Beitrag wirklich posten soll. Er enthält wahnsinnig persönliche Daten und Gefühle. Ängste denen ich mich im versteckten Kämmerlein eigentlich schon nicht stellen mag. Geschweige denn vor tausenden Menschen, die meinen Weg verfolgen. Aber es hat auch etwas Gutes. Es zeigt anderen Angsthäschen, dass sie nicht alleine sind. Ich habe gesehen, dass ich nicht alleine bin. Dass man sich nicht schämen muss für seine Schwächen und es nie zu spät ist, Probleme wieder anzugehen. – Und das ist ein verdammt gutes Gefühl.

Alles Liebe,
Stephie

4 Replies to “Ich habe Angst – Mein Leben mit Dentalphobie – Teil 2”

  1. Liebe Stephie,
    vielen Dank, dass du dich entschieden hast, den Beitrag zu posten. Ich habe zwar nicht so eine große Angst wie Du, schiebe den Besuch beim Zahnarzt aber dennoch schon eine Weile vor mir her. Genau wie Du, habe ich meine Probleme mit der Zahnhygiene und dem regelmäßigen Putzen. Auch schon in deinem ersten Post dazu, habe ich mich in vielen deiner Aussagen dazu wiedergefunden. Ich finde es toll dass du hier und auf Instagram so ehrlich bist. Da habe ich den größten Respekt vor. Ich könnte nicht so öffentlich mit meinen Schwierigkeiten und Problemen umgehen. Ich drücke dir die Daumen dass du auch die weiteren Behandlungen anpackst und überstehst.
    Ganz liebe Grüße
    Anni

    1. Ich danke dir für die lieben Worte.
      Ich glaube, alleine zuzugeben, dass Zahnhygiene für einen nicht einfach oder ein Automatismus ist, wie für viele andere, braucht recht viel Mut.
      Ich habe tatsächlich wirklich lang drüber nachgedacht, ob ich den Part der Geschichte überhaupt mit hinein nehme. Aber es gehört dazu.
      Und für mich ist das Feedback, dass ich nicht alleine damit mit, wirklich wertvoll.

      Noch habe ich etwas Schonfrist vor meinem nächsten Termin, aber am 14.11. geht es weiter. Ich mag jetzt noch gar nicht dran denken
      Alles Liebe,
      Stephie

  2. Hallihallo 🙂
    Ich finde es super mutig, dass du das ganze nun doch mit der Welt teilst.
    Ich selbst bin auch der totale Schisser – tatsächlich aber nicht nur beim Zahnarzt. (Regelmäßiger Horror-Blutabnahmen wegen Hashimoto sei Dank – oder so..)
    Ich kann deine Angst soooo gut nachvollziehen, auch wenn ich selbst es dann doch mit Hilfe meines Freundes ab und zu schaffe mich zum Zahnarzt zu bewegen und dann mit reichlich Pipi in den Augen alles über mich ergehen lasse. Ein Glück habe ich inzwischen einen Zahnarzt, den ich am liebsten jedes Mal umarmen möchte, weil er so unglaublich einfühlsam ist 😀

    Ich drücke dir für deine weitere Behandlung ganz doll die Daumen!
    Fühl dich virtuell geherzt!
    Linda

    1. Ohje, ich bin froh, dass ich keine Probleme bei Blutabnahmen habe … bzw. nicht mehr habe. Ich habe mir bis zu meinem 14. oder 15. Lebensjahr nämlich nie Blut abnehmen lassen, weil ich panische Angst hatte.
      Komischer Weise hatte ich dann, nachdem ich mich das erste mal überwunden habe, keinerlei Probleme mehr damit gehabt. Das hätte auch ganz anders ausgehen können. Ich freue mich, dass du deinen Freund da an deiner Seite hast und vor allem so einen tollen Zahnarzt. Die sind wirklich selten.

      Ich danke dir vielmals für die lieben Worte.
      Alles Liebe,
      Stephie

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